Gericht/Institution:LG Wuppertal
Erscheinungsdatum:14.11.2018
Entscheidungsdatum:13.11.2018
Aktenzeichen:25 Ks 15/17
Quelle:juris Logo

Wuppertaler Unternehmerpaar erdrosselt: Lebenslange Haft für Enkel

 

Das LG Wuppertal hat den angeklagten Enkelsohn im Verfahren um die Tötung eines bekannten Wuppertaler Unternehmerehepaars zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt und den Mitangeklagten freigesprochen.

Das LG Wuppertal hat den heute 27-jährigen Enkelsohn des Totschlags an seinem Großvater und des Mordes an seiner Großmutter für schuldig befunden. Das Landgericht hat ihn deshalb zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Nach den Feststellungen des Landgerichts hat der Angeklagte am Nachmittag des Tattages die Großeltern wie üblich besucht. Allerdings sei es dann zu einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Großvater in dessen Schlafzimmer gekommen. Grund hierfür sei gewesen, dass der Großvater sich von dem Enkelsohn belogen und getäuscht gefühlt habe. So soll dieser dem Großvater verschwiegen haben, dass er sein Studium zwischenzeitlich abgebrochen gehabt habe. Konfliktpotential habe auch insoweit bestanden, als der Großvater durch das Finanzamt für Schenkungssteuer in Anspruch genommen worden sei, die absprachegemäß eigentlich der Enkelsohn hätte tragen sollen. Dieser habe zuvor von dem Großvater Immobilienvermögen übertragen bekommen. Der angeklagte Enkelsohn soll dann aus Wut, Enttäuschung und weil er gekränkt gewesen sei, mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf seines Opfers eingeschlagen und diesen später zu Tode stranguliert haben. Die Großmutter habe der Angeklagte im Anschluss getötet, weil er habe befürchten müssen, dass er ansonsten alsbald als Tatverdächtiger für den Tod an dem Großvater in den Fokus gerate. Die Großmutter habe er ebenfalls mit einem Gegenstand gegen den Kopf geschlagen, wodurch diese zu Boden gestürzt sei. Mindestens 20 bis 30 Minuten später, als er festgestellt habe, dass sie noch lebe, habe er sie schließlich erdrosselt.

Das Landgericht habe seine Feststellungen auf eine aufwendige Beweisaufnahme und das sich daraus ergebende Spurenbild gestützt. Zum einen sah das Landgericht es auf Grund der ermittelten Todeszeit als erwiesen an, dass der Angeklagte zur Tatzeit vor Ort gewesen sei, was bedeutet, dass die Taten dem Angeklagten nicht verborgen geblieben sein können und einen durch unbekannte Dritte begangenen Raubmord unwahrscheinlich erscheinen lasse. Gegen ein solches Szenario habe zudem gesprochen, dass wesentliche und naheliegende Wertgegenstände nicht gestohlen worden seien. Schließlich habe man auch Blut- und DNA-Spuren der Opfer im Fahrzeug des Enkelsohns gefunden, die vom beiseite geschafften Tatwerkzeug herrühren könnten. Das Tatmotiv und die heimtückische Begehungsweise qualifiziere die Tötung der Großmutter als Mord. Mordmerkmale konnte das Landgericht hinsichtlich der ersten Tötung nicht feststellen – insbesondere bestätigte sich aus Sicht des Landgerichts nicht, dass leitendes Motiv für die Tötung Habgier gewesen sei – und verurteilte insoweit wegen Totschlags.

Der Mitangeklagte wurde freigesprochen. Das Landgericht nahm zwar an, dass der Mitangeklagte, von dem eine DNA-Spur am Tatort gefunden wurde, ebenfalls im Haus gewesen sei. Es könne aber nicht festgestellt werden, ob der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tötungshandlungen dort gewesen sei und von diesen vor deren Beendigung Kenntnis gehabt habe. Es sei auch möglich, dass der Angeklagte erst später hinzugekommen sei und ggf. – auch das ließ sich nicht feststellen – bei der Beiseiteschaffung der Tatwerkzeuge mitgeholfen habe. Ein strafbares Verhalten war nach Auffassung des Landgerichts damit nicht nachweisbar. Der Haftbefehl gegen den Mitangeklagten wurde aufgehoben und dieser aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Der verurteilte Angeklagte und die Staatsanwaltschaft können binnen einer Frist von einer Woche Revision hiergegen einlegen, über die der BGH zu entscheiden hätte.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des LG Wuppertal Nr. 19/2018 v. 13.11.2018


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