Gericht/Institution:LG Kempten
Erscheinungsdatum:07.08.2019
Entscheidungsdatum:07.08.2019
Aktenzeichen:1 Ks 210 Js 15641/18
Quelle:juris Logo

Säuglings-Mord in Kaufbeuren: 14,5 Jahre Haft

 

Das LG Kempten hat einen 22-jährigen Mann wegen Mordes sowie tätlichen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 14 Jahren und sechs Monaten verurteilt und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der Angeklagte am Abend des 09.08.2018 in Kaufbeuren seinen Sohn, einen sieben Monate alten Säugling, so schwer misshandelte, dass dieser später an den Folgen verstarb. Im Anschluss an die Tat verletzte der Mann in der Notaufnahme des Klinikums Kaufbeuren zwei Polizeibeamte. Der Angeklagte, der Tage zuvor von der Kindsmutter aus der gemeinsamen Wohnung gewiesen worden war, hatte an jenem Abend auf deren Anfrage das Babysitting des Kindes übernommen. Im weiteren Verlauf des Abends begab sich der Angeklagte in das Zimmer des schreienden Säuglings und misshandelte das Kind schwer. Der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer des LG Kempten sprach angesichts der zahlreichen und schweren Verletzungen des Kindes von einem "Gewaltexzess". Das Kind verstarb zwei Tage später im Krankenhaus. Das Landgericht bejahte das Mordmerkmal der "niedrigen Beweggründe". Der Angeklagte übte zur Überzeugung des Landgerichts seinen Frust über seine Lebenssituation an dem Kind aus.

Die Alkoholkrankheit des Angeklagten hindere das Landgericht daran, eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhängen. Der psychiatrische Sachverständige habe eine manifeste Alkoholabhängigkeit des Angeklagten bestätigt. Dieser war im Tatzeitpunkt erheblich alkoholisiert (2,13 Promille) und stand unter dem Einfluss von Cannabis. Zwar sei dem Angeklagten aufgrund früherer Verurteilungen bewusst gewesen, dass er unter Alkoholeinfluss zu Aggressivität neige. Aufgrund seiner Sucht sei ihm der Einfluss auf seinen Alkoholkonsum allerdings weitgehend entzogen gewesen. Dies führe zwingend zu einer Strafrahmenverschiebung. Das Landgericht ermittelte eine Einzelstrafe von 14 Jahren, die sich am oberen Rand des so gegebenen Strafrahmens von drei bis 15 Jahren bewegte. Eine Einzelstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wurde verhängt für den anschließenden Angriff auf Polizeibeamte, bei dem der Angeklagte einem der Polizisten mit einem Fußtritt einen Nasenbeinanbruch zufügte.

Der Angeklagte wird im Rahmen des sog. Vorwegvollzugs nun fünf Jahre und neun Monate im Gefängnis verbringen und anschließend in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des LG Kempten v. 07.08.2019


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