Gericht/Institution:LG Köln
Erscheinungsdatum:30.08.2019
Entscheidungsdatum:05.08.2019
Aktenzeichen:19 O 49/18
Quelle:juris Logo

Sorgfaltsanforderungen an Kite-Surfer beim Startvorgang

 

Das LG Köln hat entschieden, dass ein Kitesurfer durch seinen Lenkdrachen (Kite) eine Gefahrenquelle schafft und daher dafür sorgen muss, dass ihm beim Startvorgang genügend Platz zur Verfügung steht und eine Gefährdung von anderen Personen, die sich eventuell in der Nähe befinden, ausgeschlossen ist.

Im Oktober 2017 spazierte der Kläger im holländischen Hindeloopen von einem Deich aus über eine Wiese in Richtung Strand. Auf der Wiese wurde er von der an einem Lenkdrachen (Kite) hängenden Beklagten umgestoßen. Er erlitt eine Unterschenkelfraktur und musste zwei Mal operiert werden. Vor dem LG Köln machte er nun von ihm selbst getragene Behandlungskosten i.H.v. rund 400 Euro sowie ein Schmerzensgeld von mindestens 8.000 Euro gegenüber der Beklagten geltend. Schließlich habe diese bei einer Windstärke von 40 Knoten einen Bedienungsfehler begangen und ihn völlig unvermittelt umgerissen. Dabei sei er mehrere Meter durch die Luft geschleudert worden. Die Beklagte wiederum behauptete, die Wiese sei durch eine entsprechende Beschilderung als Start- und Landezone für Kite-Surfer ausgewiesen gewesen. Der Kläger sei unmittelbar durch ihren Startbereich gelaufen. Während des Startvorgangs sei sie durch eine Böe seitlich weggezogen worden, was sie mit einem Ausfallschritt habe ausgleichen wollen. Dabei habe ihr der Kläger im Weg gestanden und es sei zur Kollision gekommen.

Das LG Köln hat das Verschulden an dem Zusammenstoß allein der beklagten Kite-Surferin zugewiesen und diese daher zu Schadensersatz und insbesondere zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 6.500 Euro verurteilt.

Nach Auffassung des Landgerichts begründet ein Kitesurfer durch das Bedienen des Sportgeräts eine Gefahrenquelle, zumal er in besonderem Maße den Kräften des Windes ausgesetzt sei, welche naturgemäß nicht beeinflussbar sind. Daher treffe ihn eine gesteigerte Verantwortung dafür, die aus dieser Gefahr resultierenden Folgen zu vermeiden. Insbesondere müsse er dafür Sorge tragen, dass ihm für den Startvorgang genügend Platz zur Verfügung stehe und eine Gefährdung anderer ausgeschlossen sei. Daher müsse er seine Umgebung kontinuierlich beobachten und sich insbesondere vergewissern, dass sich keine Personen im näheren Umfeld befinden. Dabei sei es unerheblich, ob die Beklagte sich in einer besonders ausgewiesenen Kite-Zone befand, da die Nutzung der Wiese durch Nicht-Kiter nicht verboten bzw. für diese nicht gesperrt war. Daher treffe den Kläger auch kein Mitverschulden, wenn er eine öffentlich zugängliche Wiese begehe. Für einen mit der Sportart nicht vertrauten Spaziergänger seien die Gefahren des Kitesurfens auch nicht ohne weiteres erkennbar.

Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des LG Köln v. 30.08.2019


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