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Gericht/Institution:OLG Frankfurt
Erscheinungsdatum:10.01.2020
Entscheidungsdatum:09.01.2020
Aktenzeichen:5 Ws 1/20
Quelle:juris Logo

Haftbefehl gegen mutmaßlichen Islamisten aufgehoben

 

Das OLG Frankfurt hat in dem Strafverfahren gegen den 31-jährigen Bilal G. den Haftbefehl des LG Frankfurt aufgehoben und die Entlassung aus der Untersuchungshaft angeordnet.

Bilal G. war am 02.03.2018 festgenommen worden und befand sich seitdem in Untersuchungshaft. Mit Urteil vom 07.12.2018 hatte das LG Frankfurt Bilal G. wegen Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt und die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet. Das Urteil hat Bilal G. mit der Revision angefochten. Zugleich hat er gegen die Anordnung der Fortdauer der Untersuchungshaft Beschwerde eingelegt.

Das OLG Frankfurt hat den Haftbefehl gegen Bilal G. aufgehoben.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts ist die weitere Untersuchungshaft unverhältnismäßig. Dies habe seinen Grund darin, dass das Landgericht das Verfahren nach Verkündung des Urteils nicht mit der in Haftsachen gebotenen Beschleunigung gefördert habe. Denn es habe das Protokoll der Hauptverhandlung nicht rechtzeitig fertiggestellt, wodurch das Verfahren um einen Zeitraum von mehreren Monaten verzögert worden sei. Die Fertigstellung des Protokolls sei Voraussetzung für eine rechtswirksame Zustellung des Urteils an die Verteidiger und den Angeklagten und damit maßgeblich für den Fortgang des Revisionsverfahrens. Das Landgericht habe das Protokoll erst ca. fünf Monate nach der Verkündung des Urteils an die Verteidiger fertiggestellt, wobei ungefähr drei Monate auf den Zeitraum zwischen der Abfassung der schriftlichen Urteilsgründe und der Übersendung des Urteils und des Protokolls an die Verteidiger entfallen seien.

Nach den Feststellungen im Urteil des Landgerichts soll Bilal G. im Jahr 2013 als Hauptverantwortlicher für die Rhein-Main-Region an der islamistischen "Lies!"-Kampagne beteiligt gewesen sein, die vor allem durch die Verteilung von Koran-Exemplaren in den Innenstädten bekannt wurde. Die Kampagne habe auch dazu gedient, Personen anzuwerben, die bereit waren, nach Syrien zu reisen, um sich einer der dort aktiven islamistischen terroristischen Vereinigungen anzuschließen. Der Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat habe sich Bilal G. schuldig gemacht, indem er im September 2013 dem damals 16 Jahre alten Enves Ü. ein Ticket für einen Flug von Frankfurt am Main nach Antalya/Türkei beschaffte und diesen so bei dessen Vorhaben unterstützte, nach Syrien zu reisen, um sich dort zwecks Teilnahme am als "Heiliger Krieg" (Jihad) verstandenen bewaffneten Kampf gegen das syrische Regime im Umgang mit Schusswaffen und Sprengvorrichtungen unterweisen zu lassen. Enves Ü. habe in Syrien bei einer islamistischen Gruppe eine paramilitärische Ausbildung absolviert, während der er auch im Umgang mit Schusswaffen und Sprengstoffen geschult worden sei. Im Anschluss daran habe Enves Ü. in der Nähe von Aleppo an Kampfhandlungen der Gruppe teilgenommen, bei denen er im Dezember 2013 getötet worden sei.

Der Beschluss ist unanfechtbar. Bilal G. wurde am 09.01.2020 aus der Untersuchungshaft entlassen.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des OLG Frankfurt Nr. 3/2020 v. 10.01.2020


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