- 17.09.2026
- Internationale Steuer-Rundschau (ISR)
Goldene Visa und steuerliche Anreizsysteme europäischer Staaten im Vergleich – Gestaltungspotentiale und deutsche Gegenwirkungen
Die europäische Investitionsmigration befindet sich in einem grundlegenden Umbruch: Staatsbürgerschaftsprogramme geraten unionsrechtlich unter Druck, passive Immobilienrouten wurden in mehreren Mitgliedstaaten zurückgebaut oder abgeschafft, und verbliebene steuerliche Zuzugsregime werden zunehmend an Substanz‑, Transparenz- und Missbrauchserwägungen gemessen. Der Beitrag zeigt, dass ein Goldenes Visum aus deutscher steuerlicher Sicht kein eigenständiges Gestaltungsinstrument ist, sondern allenfalls ein aufenthaltsrechtlicher Baustein neben der eigentlich entscheidenden Frage der wirksamen Verlagerung der steuerlichen Ansässigkeit. Untersucht werden die praktisch relevanten Zuzugsregime – die italienische und griechische Pauschalbesteuerung, die maltesische und zyprische Non-Dom-/Remittance-Systeme sowie die reformierten Modelle in Portugal (IFICI/„NHR 2.0“) und Spanien (Beckham-Regime) – jeweils im Zusammenspiel mit den deutschen Gegenwirkungen: fortbestehender Wohnsitz nach § 8 AO, DBA-Tie-Breaker und Mittelpunkt der Lebensinteressen, Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG sowie erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG, deren Anwendung auf Vorzugsbesteuerungen der BFH jüngst bestätigt hat (BFH, Urt. v. 14.1.2025 – IX R 37/21, FR 2025, 434 m. Anm. Kraft = ISR 2025, 257 (Hermes)). Der Beitrag entwickelt hieraus eine Prüfungsreihenfolge für die Beratungspraxis, die die belastbare Beendigung deutscher Anknüpfungspunkte in den Mittelpunkt jeder Wegzugs- und Zuzugsplanung stellt.
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